Prozessbeobachtungen zeigen: Moralische Panik um „Messerkriminalität“ schürt Kriminalisierung
Justice Collective

In den letzten Jahren haben deutsche Medien und Politiker*innen zunehmend Narrative verbreitet, die Migrant*innen mit steigender Gewaltkriminalität in Verbindung bringen. Insbesondere das Narrativ, dass Migrant*innen für eine „Welle“ von Messerangriffen verantwortlich seien, hat an Bedeutung gewonnen, teilweise als Reaktion auf die tragischen Ereignisse in Solingen (2024) und Aschaffenburg (2025). Durch einzelne Gewalttaten angeheizt, konnte sich so eine moralische Panik um „Messerkriminalität“ entwickeln, die genutzt wird, um eine immer restriktivere Migrationspolitik zu rechtfertigen. Doch „Messerkriminalität“ ist keine klar definierte Kategorie, und entgegen der Berichterstattung bleibt die Gewaltkriminalität in Deutschland weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Ein genauerer Blick auf Strafverfahren, bei denen Messer eine Rolle spielen, zeigt, dass diese Fälle oft weit von dem in den Medien gezeichneten Bild brutaler Angriffe entfernt sind.
In Gerichtsverhandlungen zeigt sich ein deutlicher Kontrast zwischen der Realität von Delikten mit Messern und den reißerischen Medienberichten, die die Tragweite solcher Taten oft überspitzen, und dabei rassistische Narrative bedienen. Auf der Grundlage unserer Prozessbeobachtungen haben wir neue Fallberichte in unser Fallarchiv aufgenommen, die das Phänomen dokumentieren, das wir als Messer-Panik bezeichnen. Unsere vollständige Analyse dieses Phänomens findet sich hier als neuer Eintrag in unseren Beobachtungen.
Um unsere Berichte und Analysen weiter zu diskutieren und sie mit den Anliegen betroffener Communities und Aktivist*innen zu verknüpfen, organisieren wir gemeinsam mit Ihr seid keine Sicherheit (ISKS) eine Veranstaltung am 21. Mai im Café Cralle in Berlin. Hier finden sich alle Details dazu auf einen Blick:
Was ist „Messerkriminalität“? – Diskussion zur Waffenverbotszone am Leopoldplatz
Wann? Mittwoch, 21. Mai, 19:30
Wo? Café Cralle, Hochstädter Str. 10a
Was? Info-Veranstaltung und Diskussion
Rechte und konservative Akteure nutzen den Begriff „Messerkriminalität“ gezielt, um rassifizierte Communities zu kriminalisieren und weitreichende Polizeimaßnahmen sowie harte Strafen zu legitimieren. Eine der neuesten Maßnahmen, die im Zuge populistischer Panikmache um „Messerkriminalität“ eingeführt wurde, sind die Waffenverbotszonen.
Während die Polizei vorgibt, durch verstärkte Kontrollen von Messern in diesen Zonen die Sicherheit für alle zu gewährleisten, schaffen die neuen Regeln vor allem eines: einen Vorwand, um „verdachtsunabhängige Kontrollen“ rassistisch einzusetzen.
Was bedeutet eigentlich „Messerkriminalität“? Wer wird geschützt, wer wird betroffen – und wer gerät ins Visier der Polizei?
Gemeinsam mit Ihr seid keine Sicherheit laden wir zu einer kritischen Diskussion über die neu eingerichtete Waffenverbotszone am Leopoldplatz ein.
Wir wollen mit Menschen aus dem Kiez darüber sprechen, was Sicherheit am Leo für uns bedeutet – und warum die neuen Messerverbote möglicherweise mehr schaden als nutzen.
Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt. Wenn du eine Flüsterübersetzung benötigst, schreib uns gerne eine Nachricht auf Instagram.
Kommt vorbei – bringt eure Erfahrungen, Perspektiven und Fragen mit!