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Antirassistische Forderungen sind keine Verhandlungsmasse! 20 Organisationen fordern von der Linken Berlin, ihre Wahlversprechen einzuhalten

Justice Collective

Collage mit Politiker:innen vor Berliner Skyline

Mit einem offenen Brief beziehen 20 zivilgesellschaftliche Initiativen Stellung zu den bevorstehenden Koalitionsverhandlungen. Sie fordern Die Linke Berlin auf, die Versprechen aus ihrem Wahlprogramm gegen Racial Profiling, Polizeigewalt und strukturellen Rassismus konsequent umzusetzen.

Berlin, 03. November 2026 – Antirassistische Forderungen dürfen nicht für eine Regierungsbeteiligung geopfert werden. Mit dieser Botschaft wenden wir uns als zivilgesellschaftliche Organisationen an Die Linke Berlin. Wir fordern die Partei auf, an ihren im Wahlprogramm formulierten Zusagen zu einer progressiven Sicherheitspolitik festzuhalten und diese auch im Falle einer Regierungsbeteiligung umzusetzen.

Seit Jahren kämpfen wir gegen Rassismus in staatlichen Institutionen, gegen rassistische Polizeipraxis und die Kriminalisierung migrantischer Communitys in Berlin. Wir unterstützen Betroffene von Polizeigewalt und diskriminierenden Kontrollen. Wir erleben, dass struktureller Rassismus in der derzeitigen Sicherheitspolitik den Alltag vieler Menschen in Berlin unsicher macht.

„Wir erwarten von einer linken Partei, dass sie auch linke Politik macht. Dazu gehört, strukturellen Rassismus in staatlichen Behörden zu bekämpfen und für einen solidarischen Sicherheitsbegriff einzustehen.“, erklärt Lara Möller vom Justice Collective. „Stattdessen haben die Sondierungsgespräche gezeigt, dass man offenbar bereit ist, eine progressive Sicherheitspolitik am Verhandlungstisch für eine Regierungsbeteiligung zu opfern. Das wollen wir nicht unkommentiert lassen.“

Eine linke Regierungsbeteiligung muss sich daran messen lassen, ob sie tatsächliche strukturelle Veränderungen durchsetzt. Wir erwarten von Die Linke Berlin, dass sie ihre politischen Zusagen ernst nimmt und sich auch in den Koalitionsverhandlungen konsequent gegen Rassismus, Kontrolle und Überwachung stellt.

Unterzeichnende Organisationen:

Justice Collective e.V., Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP), Kiez ohne Kontrollzone, Ihr seid keine Sicherheit, Kein Generalverdacht, Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V., Wrangelkiez United!, Bündnis Görli zaunfrei, Courtwatch Berlin, reach out / Ariba e.V., Flüchtlingsrat Berlin e.V., Beratungs- und Betreuungszentrum für junge Geflüchtete und Migrant:innen, With Wings and Roots e.V., Hydra e.V., Komitee zur Unterstützung der politischen Gefangenen im Iran-Berlin e.V., AK Antirassismus und Migration der OMAS GEGEN RECHTS Berlin, My Brain My Choice Initiative, BIWOC* Rising, Iranische Aktivist*innen im Exil - Berlin, BIPoC for Future

Fälle aus unserem Archiv

Fall 39

Eine junge wohnungslose Frau wird zu 90 Tagessätzen Geldstrafe wegen Drogenhandels verurteilt. Die Verurteilung taucht nicht in ihrem Führungszeugnis auf, was ihr wichtig war – trotzdem bestraft das Gericht sie mit einer hohen Geldstrafe, obwohl es anerkennt, dass sie aus Not gehandelt hat.

Der Krieg gegen Drogen
Rassistisches Polizieren
Kriminalisierung von Armut
Geldstrafe
Verstoß gegen BtMG

Fall 24

Das Gericht verhandelt einen Fall, in dem ein junger Mann wegen mehrerer Delikte angeklagt ist, darunter Drogendelikte, Körperverletzung und Raub, wobei mehrfach ein Messer verwendet wurde. Nach sechs Anhörungen, die hauptsächlich aus der Vernehmung von Polizeizeugen bestehen, wird der Mann zu einer Gefängnisstrafe und einer Drogentherapie im Maßregelvollzug mit einer Gesamtdauer von fast sieben Jahren verurteilt. Das Gericht geht während der Verhandlung nicht auf die Bedürfnisse der Opfer ein: Stattdessen werden ihnen Suggestivfragen gestellt, die der Rechtfertigung einer harten Strafe dienen, und das Gericht macht sich stellenweise über sie lustig. Der strukturelle Kontext der Taten des Angeklagten wird in dem Verfahren weitgehend ausgeblendet.

Messer-Panik
Rassistisches Polizieren
Der Krieg gegen Drogen
Haftstrafe
Körperverletzung
Verstoß gegen BtMG
Sonstige

Fall 21

Das Gericht übt Druck auf einen Mann aus, seine Berufung gegen eine Verurteilung wegen Widerstands und Angriffs auf Vollstreckungsbeamte zurückzuziehen. Obwohl das Verfahren den Mann sichtlich belastet, scheint der Richter nicht an seinen Schilderungen des Vorfalls interessiert zu sein. Dass es in dem Verfahren keine Entlastung für den Mann geben wird, wirkt sowohl seitens des Gerichts als auch seiner Verteidigung bereits vorherbestimmt.

Rassistisches Polizieren
Sonstige
Körperverletzung
Sonstige

Fall 16

Ein junger Mann wird aufgrund seiner Äußerungen bei einer Polizeikontrolle wegen Beleidigung verurteilt. Das Gericht berücksichtigt weder die Entschuldigung des Mannes noch die Tatsache, dass dieser die Kontrolle als diskriminierend empfand. Als ihm eine härtere Strafe angedroht wird, akzeptiert er die hohe Geldstrafe, gegen die er Einspruch eingelegt hatte.

Rassistisches Polizieren
Geldstrafe
Sonstige

Perspektiven